Seit Kurzem verfügt Téléverbier über einen Drohnendienst, der in die Betriebsabläufe des Gebiets integriert ist. Er dient als ergänzendes Tool für die Arbeit im Gelände und stellt eine bedeutende Weiterentwicklung im operativen Management in den Bergen dar.
Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort
Vor seiner Einführung wurde das von Fabien Rollet geleitete Projekt fast ein Jahr lang eingehend geprüft. Es musste sichergestellt werden, dass Drohnen im Skigebiet auch wirklich einsetzbar sind, stellen doch wechselnde Witterungsbedingungen, das komplexe Gelände und die Koexistenz mit anderen Luftraumnutzenden sowie strenge gesetzliche Auflagen ein anspruchsvolles Umfeld dar.
Der Entwicklungsplan und der Betriebsrahmen wurden schliesslich vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) genehmigt. Damit gehört Téléverbier zu den ersten Schweizer Skigebiet-Betreibenden, die einen eigenen Drohnendienst mit einer soliden rechtlichen Grundlage in ihren Betrieb integriert haben.
Die Vorarbeiten bekräftigten denn auch die essenzielle Leitstrategie: Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen. So sind etwa zahlreiche Gleitschirmfliegerinnen und -flieger im Skigebiet unterwegs, deren Flugfreiheit nicht unnötig eingeschränkt werden soll. Darüber hinaus erfordern der Lärm der Fluggeräte und ihre Präsenz im Alpenraum besondere Vorsicht gegenüber der Tierwelt, insbesondere gegenüber Gämsen, Steinböcken und Raubvögeln. Die Drohnen dürfen keinen zusätzlichen Störfaktor darstellen, sondern müssen als kontrolliertes Werkzeug mit Bedacht eingesetzt werden.
Konkrete Unterstützung im Betriebsalltag
Der Drohnendienst unterstützt heute den Pisten-, Lift- wie auch den Beschneiungsdienst. Er wird zur Überwachung und Inspektion von Anlagen eingesetzt und liefert bei Vorfällen rasch eine Übersicht über die Lage. Ein aktuelles Beispiel veranschaulicht den Nutzen deutlich: Bei den letzten Schneefällen stieg die Lawinengefahr kurzzeitig auf die Stufe 4 von 5 (gross). Mehrere Lawinen lösten sich im ungesicherten Gelände abseits der Pisten. Das Skigebiet wurde alarmiert, hatte jedoch keine genauen Informationen zu den Umständen oder darüber, ob sich womöglich Personen im Gefahrenbereich aufhielten.
In solchen Situationen zählt jede Minute. Die Drohne konnte rasch eingesetzt werden und verschaffte sofort einen Überblick über die Lage. Dank des eingebauten Lautsprechers ist es auch möglich, mit Zeuginnen und Zeugen oder Beteiligten aus der Ferne zu kommunizieren, verlässliche Informationen zu sammeln und diese in Echtzeit an die Einsatzteams weiterzugeben.
Sie fertigt zudem Luft- und photogrammetrische Aufnahmen an, die für die Lawinenüberwachung und zur Ergänzung von Datenbanken nützlich sind, insbesondere jene des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) und der Bergpolizei. Die Wärmebildtechnik hilft dabei, festzustellen, ob eine Lawine frisch oder älter ist – ein entscheidender Faktor, um Ungewissheiten auszuräumen.
Eines darf man jedoch nicht vergessen: Drohnen sind noch nicht in der Lage, verschüttete Personen zu lokalisieren. Sie ersetzen weder LVS-Suchen noch die Spezialteams oder die Erfahrung der Patrouilleurinnen und Patrouilleure. Sie ermöglichen aber einen schnellen Überblick, sorgen für einen sicheren Zugang und unterstützen bei der Einsatzplanung, insbesondere um zu verhindern, dass beim Betreten der Zone eine weitere Lawine ausgelöst wird. Die Arbeit im Gelände bleibt nach wie vor zentral. Die Technologie dient dabei als Unterstützung, nicht als Ersatz.
Sinnvoller Fortschritt
Die Möglichkeiten für Drohneneinsätze sind aber noch lange nicht ausgeschöpft. So hat Téléverbier gemeinsam mit einem spanischen Unternehmen an der Entwicklung einer Drohne mitgewirkt, die die Frequenzsignale eines Lawinenverschütteten-Suchgeräts erkennen kann. Diese Technologie könnte langfristig die Ortung verschütteter Personen beschleunigen und die Rettungskette weiter stärken.
Auch werden weitere Projekte geprüft, wie etwa die Drohnen eines französischen Unternehmens, die gezielt für die präventive Lawinenauslösung mit Propan und Sauerstoff eingesetzt werden sollen. Dieser Ausblick macht deutlich: Téléverbier setzt auf Innovation, aber stets mit Fokus auf Kontrolle und Verantwortung.
Sorgfalt ist auch bei künstlicher Intelligenz geboten. Die in den Bergen erhobenen Daten sind nach wie vor komplex, variabel und stark kontextabhängig. Es wäre verfrüht, den Algorithmen lebenswichtige Entscheidungen zu überlassen.
Menschliche Erfahrung, eingehende Geländekenntnis und Analysekompetenz der Patrouilleurinnen und Patrouilleure bilden weiterhin das Fundament unserer Arbeit.
Was die Ausrüstung betrifft, fiel die Wahl auf DJI, obwohl ursprünglich europäische Marken wie Parrot bevorzugt wurden. Ausschlaggebend dafür waren operative Faktoren wie Leistung, Zuverlässigkeit und Kosten.
Eine Ergänzung, kein Ersatz
Der Drohnendienst stellt einen bedeutenden Fortschritt für Téléverbier dar. Er verbessert die Reaktionsfähigkeit, erhöht die Sicherheit und liefert eine wertvolle strategische Übersicht in kritischen Situationen.
Die Einbindung in den Betrieb wird somit von der festen Überzeugung getragen: Technologie muss den Menschen und den Bergen dienen. Sie erweitert den Blick der Einsatzteams, ersetzt ihn aber nie.
Dies steht in Einklang mit dem Wunsch nach Fortschritt, der gleichzeitig die Umwelt und alle, die diesen einzigartigen Raum nutzen, respektiert.
In den Bergen haben Innovationen nur dann einen Wert, wenn sie sich massvoll einfügen. Téléverbier folgt genau diesem Prinzip.
Die Drohne in den Bergen
«Einen Drohnendienst in einem Schweizer Skigebiet einzuführen, wo es so etwas bislang noch nie gab, bedeutet, ein echtes Ökosystem aufzubauen. Wir mussten klare Ziele, eine solide Strategie und einen strengen Sicherheitsplan definieren, und das bei administrativen Rahmenbedingungen, die sich ständig ändern.
Ein Drohnenflug ist keine banale Angelegenheit, besonders nicht bei speziellen Einsätzen. Jede Mission erfordert eine genaue Risikoanalyse, die strikte Einhaltung der Luftverkehrsvorschriften und eine enge Abstimmung mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort.
Angesichts der Vorbehalte und der komplexen luftfahrtrechtlichen Rahmenbedingungen waren Ausdauer und Belastbarkeit notwendig, um dieses Projekt erfolgreich umzusetzen. Das im Kanton Freiburg ansässige Unternehmen Vertical Master hat sich der administrativen Herausforderung gestellt und beim Bundesamt für Zivilluftfahrt ein solides und tragfähiges Dossier vorgelegt, was diese Initiative überhaupt erst möglich machte.
Heute soll dieses Projekt langfristig bestehen und eine kollektive Dynamik entfalten, gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren in den Bergen, mit Respekt vor der Arbeit der Fachleute vor Ort sowie der Bergwelt, die weiterhin im Mittelpunkt unseres Engagements steht.»
Mit der Drohne über das Skigebiet fliegen
Die Berge sind eine permanente Filmkulisse. Da fällt es schwer, der Versuchung zu widerstehen, seine Drohne steigen zu lassen, um diese Augenblicke festzuhalten … Im Skigebiet ist jedoch eine vorab eingeholte Genehmigung notwendig, und zwar für alle Drohnen, auch für Modelle unter 250 Gramm.
Warum braucht es eine Genehmigung?
Das Skigebiet ist ein sensibles Umfeld mit vielen Schneesportlerinnen und Schneesportlern, Bergbahnanlagen und Einsätzen der Sicherheitsdienste. Ohne ausdrückliche Genehmigung gelten Drohnenflüge als nicht bewilligt.
So erhalten Sie Ihre Genehmigung:
- Antragsformular ausfüllen. Füllen Sie zunächst das offizielle Genehmigungsgesuch aus.
- Dossier per E-Mail einreichen Senden Sie das ausgefüllte Formular per E-Mail an: drone@televerbier.ch Reichen Sie Ihr Gesuch rechtzeitig ein, vor allem in der Ferienzeit oder bei Veranstaltungen.
- Genehmigung abwarten
Ohne schriftliche Genehmigung dürfen Sie Ihre Drohne nicht steigen lassen. Vielen Dank für Ihr Verständnis. 🙏🏼